Burgenländische Landesregierung berät Anschaffung eines Ekranoplans

Öffentliche Verkehrsverbindung mit Bodeneffektfahrzeug über den Neusiedlersee geplant.

Eisenstadt – Im Rahmen einer Pressekonferenz stellte Landeshauptmann Niessel -flankiert von Landeshauptmann-Stellvertreter Johann Tschürtz und Landesrat Norbert Darabos (SPÖ) die Pläne der Landesregierung vor.

Bild: wikimedia commons

Das Ekranoplan soll von einer in Russland ansässigen Firma geliefert werden und künftig die Personenschiffahrt auf allen derzeit bestehenden Verbindungen ersetzen. Das Vehikel vom russischen Typ Spasatel soll bis zu 500 Personen nebst Fahrrädern Platz bieten. Die Überfahrtszeit für die Strecke Rust – Illmitz würde sich von derzeit zwanzig Minuten auf etwa 7 Sekunden verkürzen.

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NOT: Herr Landeshauptmann, braucht die Region wirklich so ein Gerät?

LH Niessel: Jedenfalls wollen wir eines haben. Es gab ja seitens der SPÖ Burgenland schon Überlegungen einer besseren Verkehrsanbindung des Seewinkels. In der Hauptsaison ist das Aufkommen mit den Fahrradfähren sonst auch kaum mehr zu bewältigen.

LHStvt. Tschürtz: Die Schinakeln schauen ja lieb aus, sind aber einfach nicht mehr zeitgemäß. Eine gut getaktete Ekranoplanverbindung würde den Menschen und der Wirtschaft in der Region Seewinkel viel bringen.

NOT: Der Nationalpark Seewinkel liegt ja gleich daneben. Gibt es denn keine Bedenken seitens des Umweltschutzes?

LR Darabos: Gerade aus Gründen des Umweltschutzes halten wir das für eine verantwortungsbewusste Lösung. Was ist besser, ein Schiff, dessen Schrauben das Gewässer verwirbeln, oder ein Ekranoplan, das die Wasseroberfläche nicht berührt?

NOT: Wie weit ist denn die Beschaffung des Ekranoplans?

LH Niessel: Das Geschäft mit Russland ist praktisch abgeschlossen. Das Gerät ist im Grunde fertig und müsste nur für unsere Zwecke adaptiert werden.

NOT: Hängen an der derzeitigen Neusiedlersee-Schifffahrt denn nicht auch viele Arbeitsplätze, die dann verloren gehen würden?

LR Darabos: Ganz im Gegenteil, es kämen neue Arbeitsplätze dazu. Die Spasatel lenkt sich etwas träge. Die Fähren werden im Winter zu Hafenschleppern umgebaut um dann im Frühjahr das Ekranoplan zu wenden.

Die Fahrradfähre „Spätlese“ nach dem Umbau zum Hafenschlepper
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Die technischen Daten der Spasatel:

Startgewicht:400 Tonnen

Länge:73,8 m

Spannweite:44,0 m

Höhe:19,2 m

Geschwindigkeit:Normalhöhe: 450–550 km/h

Reichweite:Normalhöhe: 3.000 km

Wellenhöhe: Start und Landung: 2,5–3,5 m

Turbinenanzahl: 8 × NK-87

Schubkraft:127,4 kN je Triebwerk

Besatzung:9 + 19

Kapazität:150–500 Passagiere