Reportage: Zu Besuch in einem Verbindungshaus

 

Favoriten – Wir Besuchen heute die Studentenverbindung „Guevaria“ in ihrem Verbindungshaus. Im Keller des Hauses in der Wielandgasse wohnen wir einem finsteren Ritual bei.

Die Location riecht nach Blut, Schweiß und Tränen, Portraits der Alten Herren der Verbindung zieren ringsum die Wände. In der Mitte des Raumes stehen sich die Paukanten auf Armeslänge gegenüber, der kleinere tut dies auf einem Holzpodest. Den Kombattanten ist jeweils ein Sekundant, der eventuelle Regelverstöße des Gegners anzuzeigen hat, sowie ein Schleppfuchs, der zwischen den Gängen die Waffenhand zu stützen hat, beigestellt. Spektanten drängen sich um die Kontrahenten.

Auf das traditionelle Kommando „Fertig? Hoch bitte! – Los!“ verabreichen sie sich gegenseitig einen Löffel Tabascosauce. Acht Löffel insgesamt addieren sich zu einem Gang. Gelöffelt werden 60 Gänge, dazwischen wird kurz pausiert.

Der chargierte Löffelstudent Carl Friedrich L. erklärt uns die Hintergründe:

„Die Tabascosauce ist hier in Wien commentmäßig. Bei Skull & Bones in Yale treten die Paukanten auf Plutonium an. In manchen Familien in den USA trainieren Alte Herren ihre Nachkommen schon im Kindesalter. Das ist echt hart, ich habe da einmal einen amerikanischen Löffelstudenten beim Training gesehen, also Hut ab!“

Die Paukanten sind durch Paukbrillen vor Erblindung geschützt, schwer gepolstert sind die Löffelarme. „Fertig? Hoch bitte! – Los!“, hallt es wieder und wieder durch den Keller.

Paukant in Schutzwaffen
Bild: wikipedia commons

 

Nach vierundfünfzig Gängen ist Schluß. Der Löffelstudent Fidel Pschestak kann nicht mehr, der Kreislauf macht nicht mehr mit und er muß von seinem Sekundanten abgeführt werden. Chilisauce verätzt sein Gesicht, die Schmerzen müssen entsetzlich sein, doch sein Antlitz bleibt ohne Ausdruck.

Eine schwere Abfuhr
Bild: wikimedia commons

Seiner Ehre tut dies keinen Abbruch, er hat nicht gemuckt, nicht gezuckt und sich auch sonst in jeder Beziehung commentmäßig verhalten. Die Partie zieht.

Ähnlich einem Waldorfspiel gibt keinen Verlierer, keinen Sieger. Beider Paukanten Anhängerschaft lässt keine Emotionen erkennen, das wäre unehrenhaft. Pappalatur und Gesicht von Pschestak werden bereits im Nebenraum vom Paukarzt durch Verabreichung von griechischem Joghurt behandelt, doch auch sein Gegner greift nun zur heimischen Vollmilch.

Passt den dieses uralte Ritual noch in unsere heutige Zeit? Was versprechen sich die löffelnden Verbindungen von diesem stilisierten Duell?

Carl Friedrich L.:      „Es ist einfach die psychische Ausnahmesituation, in der du dich bewähren musst. Das ist charakterfestigend wenn man weiß, dass man in der Lage ist, ohne zurückzuweichen den Kopf hinzuhalten, wenn es darauf ankommen. Ich glaube schon, dass das studentische Löffeln in der heutigen Zeit noch seinen Platz hat.“